Akupunktur für Schwangere – Fachartikel

13.03.2015 | By

SchwangerschaftDie Akupunktur für Schwangere kann man in vier Gebiete unterteilen:

  1. Akupunktur bei Beschwerden in der Schwangerschaft wie z.B. Übelkeit, Erbrechen, Sodbrennen, Schmerzen, Bluthochdruck, Ödeme, Ängste, Depressionen, vorzeitige Wehen, bei Steißlage zur Drehung, Schlafstörungen.
  2. Zur Geburtsvorbereitung
  3. Zur Unterstützung während der Geburt.
  4. Im Wochenbett, z.B. bei Milchflussschwäche, psychischer Labilität, Wochenbett-depressionen, Brustentzündungen, Blutungen.

Akupunktur gehört zu einer ganzheitlichen Therapieform aus der traditionellen chinesischen Medizin. Sie wirkt nicht nur am Ort der Nadelung sondern im ganzen Organismus. Zum einem kann sie einen gestörten Energiefluss wiederherstellen und somit die Energie im ganzen Körper ausgleichen. Zum anderen hilft sie der Schwangeren, sich auf natürliche Art auf die Geburt vorzubereiten, sodass sie entspannt und vertrauend auf die eigene Stärke in die Geburt gehen kann. Inzwischen lassen sich ca. 1/3 der Erstgebärenden zur Geburtsvorbereitung akupunktieren.

APM nach Penzel

Sollte eine Schwangere eine Nadelphobie haben, kann auch APM nach Penzel statt der Akupunktur durchgeführt werden. Auch hier ist das oberste Ziel, der harmonische Energiefluss in den Meridianen, die Balance zwischen Yin und Yang. Mit einem speziellen Metallstäbchen werden je nach Beschwerden bestimmte Meridiane am Körper gestrichen, Akupunkturpunkte stimuliert bzw. sediert. Auch kann der Partner als werdender Vater, seine schwangere Frau bis zur Geburt, mit dem kleinen Kreislauf begleiten. Dies ist sehr persönlich und sinnvoll.

Ausführung:
In Seitenlage 3 Finger streichen von Schambein auf der Körpermittellinie bis zum Nabel, umrunden diesen, ziehen bis zur Unterlippe, umrunden den Mund, ziehen über die Schädelmitte auf der Wirbelsäule hinab bis zum After, umrunden diesen, ziehen durch den Schritt wieder bis zur Schambeinfuge. Eine tägliche regelmäßige Anwendung ist zu empfehlen. Je näher der Geburtstermin rückt kommt dann der verkürzte kleine Kreislauf zum Einsatz.

Außerdem sollte dann auch noch ein Augenmerk auf den Damm gerichtet werden, je geschmeidiger und dehnbarer der Damm, desto weniger die Gefahr des Dammrisses bzw. kann ein Dammschnitt vielfach vermieden werden. (APM Salbe).

Zu Punkt 1 – Akupunktur bei Beschwerden in der Schwangerschaft:

Schwangerschafts-Erbrechen:
Dabei kommt es aus TCM-Sicht zu einer Stagnation und Schwächestörung der Milz- und Magenenergie.
Die Flussrichtung der Magenenergie ist von oben nach unten und kehrt sich jetzt um, was zu einem aufsteigenden Magen QI führt (PE 6).
Symptome: Erbrechen von wässrigen und unverdautem Essen, müde, Dyspnoe(Atemnot).
Frischen Ingwer zerhacken, Saft mit warmen Wasser und braunen Zucker herstellen, vor jeder Mahlzeit langsam trinken.

Leber attackiert Magen:
Symptome: Bittere saure Flüssigkeit, Aufstoßen, Durst, Spannungen im Thorax, Kopfschmerz, Reizbarkeit. Wassermelone pürieren und als Saft tagsüber trinken.

Schleimretention bei Milz-Qi-Mangel:
Symptome: Erbrechen von Schleim mit Abmagerung und Völlegefühl.
Schleimbildende Nahrungsmittel sowie kalte Nahrungsmittel (Rohkost) vermeiden.
Therapieresistenter Fälle: Polierten rundkörnigen Reis kurz unter Rühren anbraten, aufgießen und als
Tee mehrmals täglich trinken. Vor dem Essen und Trinken die Zunge mit einem Stück frischem Ingwer einreiben verhindert sofortiges Erbrechen.

Rückenschmerzen
Durch die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft kommt es zu einer stärkeren Belastung der Wirbel-
säule und der Muskulatur. Außerdem wird der Körperschwerpunkt durch den größer werdenden Bauch nach vorne verlagert. Dadurch kommen viele Frauen in eine Hohlkreuzhaltung, welche wiederum Schmerzen produziert. Außerdem wir durch die Hormonumstellung in der Schwangerschaft das Gewebe aufgelockert. Sehnen und Bänder werden flexibler, die Wirbelsäule verliert an Stabilität.

Brasilianische Wissenschaftler teilten insgesamt 61 Schwangere, die Schmerzen im Rücken und Beckenbereich hatten, in 2 Gruppen:

  • 27 Frauen bekamen 8 Wochen Akupunktur
  • 34 Frauen herkömmliche Therapie.

Nach Auswertung der Befragung stellten die Forscher fest, dass durch die Akupunktur bei Schwangeren mit Rücken- und Beckenbeschwerden die Schmerzen deutlich gelindert waren. Bei 21 Frauen sank der Schmerz um mindesten 50%, das entspricht 78% im Gegensatz zu der anderen Gruppe mit Schmerzlinderung bei 5% der Frauen, das entspricht 18,6%. Außerdem waren die akupunktierten Frauen im Alltag körperlich deutlich belastbarer und benötigten deutlich weniger Schmerzmittel (Paracetamol).

EPH-Gestose (EHP-Syndrom)

Milz-Yang-Mangel:
Weicher Stuhl, Dyspnoe, wenig Urin, kraftlose Extremitäten, Schwinden, schwerer Kopf, Ödeme im Gesicht und Extremitäten auch generalisiert, Mundgeschmack fade und schleimig.

Nieren-Yang-Mangel: Ödeme Gesicht und Extremitäten, Dyspnoe, Kältegefühl vor allem der Extremitäten, Mattigkeit.

Schwangerschaft induzierter Hypertonus und Eklampsie:
Yin stärken, aufsteigendes Yang besänftigen, Leber regulieren, Wind vertreiben.

 

Zu Punkt 2 – Geburtsvorbereitung:

Hier hat z.B. eine Studie der Frauenklinik Mannheim gezeigt, dass Erstgebärende durch Akupunktur die Geburtsdauer um 2 Stunden verkürzen. Im Schnitt von 10 auf 8 Stunden und zwar durch eine schnellere Reifung des Gebärmutterhalses und einer gezielteren Wehentätigkeit in der Eröffnungsphase, d.h. in der
Zeit, bis der Muttermund vollständig geöffnet ist. Zudem wurden die Wehen als weniger schmerzhaft empfunden. 300 akupunktierte Frauen 8 Stunden bis zur Geburt 224 Frauen ohne Therapie 10 Stunden.
Weiterhin stellte ein Teheraner Forschungsgruppe fest, dass akupunktierte Frauen während der Geburt weniger den Einsatz von Oxytonin (Wehenstärker) als eine Vergleichsgruppe benötigten.

Zur geburtsvorbereitenden Akupunktur wird in der Regel in der 36 Schwangerschaftswoche begonnen und zwar 1-2 Mal wöchentlich. Die Nadeln, die aus biegsamen Stahl bestehen sind 0,3 mm fein und können nicht brechen. Die Stichtiefe kann 0,5 cm – mehrere cm betragen, je nach Punkt. Dabei wird das sogenannte De-QUI-Gefühl ausgelöst, das sich wie ein Ziehen, ein kleines Stromgefühl, Kribbeln, Schwere beschreiben lässt. Die Punktauswahl erfolgt nach der Pulsdiagnose. Die Schule nach Römer bevorzugt

  • Ma 36: stärkt Qi und Blut.
  • MP 6: harmonisiert Yin.
  • Glb 34: entspannt
  • Bl 67: ab 38 Schwangerschaftswoche.

Mögliche Nebenwirkungen:
Bei kreislauflabilen Schwangeren kann es kurzfristig zu Schwindel kommen – durch Akupunktur und Lagerung jedoch gut zu beheben.

Zu Punkt 3 – unter der Geburt:

Hier wirkt die Akupunktur schmerzlindernd, entspannend und erleichtert die Geburt. Meist wird
sie mit den ersteren Schmerzen eingesetzt, dabei ist der Muttermund ca. 4-5 cm geöffnet.
Bei Wehenschwäche werden die Wehen angeregt.

Zu Punkt 4 – nach der Geburt:

Zum Beispiel bei Laktationsschwäche handelt es sich um eine Schwäche oder Blokade von Qi und Blut, evtl. auch Stagnation der Leberenergie.

Nach der Entbindung eine Qi-stärkende Kraftbrühe zubereiten.
Rezept: 1 frisches Huhn, Möhren, Sellerie, frische Petersilie, Salz, Pfeffer oder Ingwer
In 3 – 4 l Wasser mind. 4 Stunden köcheln, abseihen, kühl stellen, evtl. überschüssiges Fett abschöpfen und ab der Geburt einige Wochen lang 2-3 Tassen pro Tag trinken.
Tonisiert Qi und Blut, vertreibt Kälte, löst Blutstase und stärkt mittleren 3E, vermindert Müdigkeit und depressive Zustände. Nicht anzuwenden bei schweren Blutstasen, wie z.B. starke Bauchschmerzen.

Bei Stasen:
aus Hammelfleisch viel Ingwer und Frühlingszwiebel eine Suppe zubereiten.

HP Susan Fischer

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